• 40 »inter«
  • 39 Urbanität
  • 37 Theorie der Achsenzeit?
  • 37 Philosophieren mit Kindern
  • 36 Interkulturelle Kompetenz
  • 35 Berührungen: Zum Verhältnis von Philsoophie und Kunst
  • 34 Versöhnung und/oder Gerechtigkeit
  • 33 Zur (Ir-)Relevanz von Philosophie in interkultureller Orientierung
  • 32 Andalusien
  • 31 Heidegger interkulturell?
  • 30 Migration
  • 29 Natur
  • 28 Der arabische Frühling
  • 27 Auf der Suche nach Methoden interkulturellen Philosophierens
  • 26 Selbstkultivierung. Politik und Kritik 
im zeitgenössischen Konfuzianismus
  • 25 Das Projekt interkulturelles Philosophieren
  • 24 Übersetzen
  • 23 Geld
  • 22 Sinneskulturen
  • 21 Toleranz
  • 20 Universalismus
  • 19 Subjektivität
  • 18 Weltzivilgesellschaft
  • 17 Der arabische Frühling
  • 16 Gerechter Krieg?
  • 15 Formen des Philosophierens
  • 14 Menschenrechte
zwischen Wirtschaft, Recht und Ethik
  • 13 Biotechnologie
  • 12 Das zweite Europa
  • 10-11 Philosophie im 20. jahrhundert
  • 9 Ästhetik
  • 8 Hybridität
  • 7 Neue Ontologien
  • 6 Gerechtigkeit
  • 5 Erkenntnisquellen
  • 4 Frau und Kultur
  • 3 Andere Geschichten der Philosophie
  • 2 Kwasi Wiredus Konsensethik
  • 1 Vier Ansätze interkulturellen Philosophierens

Call for papers

Mensch und Tier

Heft Nr. 45 von polylog – Zeitschrift für interkulturelles Philosophieren
Sommer 2021

Jahrhundertelang hat der Mensch seinen Platz zwischen dem Tier und den Göttern gesucht. Dieses Selbstverständnis im Sinne eines wesentlichen Unterschieds zwischen Mensch und Tier und die Suche nach einer ausschlaggebenden Differenz (meistens der Logos im doppelten Sinne von Vernunft und Sprache, aber auch die Arbeit und die Kultur) haben auch die deutsche philosophische Anthropologie bis spät ins 20. Jahrhundert geprägt. Dabei spielte eine nicht geringe Rolle die deutsche Sprache selbst, die zwischen ‚essen‘ und ‚fressen‘, ‚sterben‘ und ‚verenden‘ usw. unterscheidet. Zugleich aber stellte das „zivilisierte“ Europa Menschen aus den Kolonien genauso wie exotische Tiere auf Jahresmärkten aus und setzte häufig ihre „Primitivität“ der bloßen Animalität gleich. Noch im 20. Jahrhundert wurden Menschen in kriegsverbrecherischen Regimes bestialisch als Tiere behandelt. Entwicklungen in den letzten Jahrzehnten in der Philosophie und darüber hinaus werfen allerdings die Frage nach der Notwendigkeit auf, das bisher im Westen vorherrschende Verständnis vom Tier zu revidieren. Philosophische Relevanz für das Mensch-Tier-Verhältnis haben unter anderen die sich verbreitende Relativierung des differentialistischen Paradigmas mit Rückgriff auf den naturwissenschaftlichen Evolutionismus, die Gründung der Tierethik als eigenständige Disziplin und der interdisziplinär ausgerichteten Animal Studies, das rege Interesse zeitgenössischer Künstler am tierischen Anderen, Untersuchungen im Bereich der empirischen Tierästhetik und nicht zuletzt Theorien des Posthumanismus. Nichtsdestoweniger wurden bisher kaum theoretische Alternativmodelle in nicht-westlichen philosophischen und allgemein kulturellen Traditionen gesucht.

Vor diesem Hintergrund lädt polylog. Zeitschrift für interkulturelles Philosophieren ein, das philosophische Verständnis der Animalität und der Beziehung zwischen Mensch und Tier in einen interkulturellen Kontext zu stellen. Mögliche Themen und Fragestellungen betreffen:

  • Den Status von Tieren in nicht-christlichen Religionen; Totem und Göttlichkeit von Tieren; mythologische Hybride zwischen Tier und Mensch

  • Gibt es tierische Subjekte? Welche Begriffe bieten nicht-westliche Kulturen, um Tiere besser zu verstehen, ohne auf den vom anthropozentrischen Humanismus vorbelasteten Begriffen von Subjekt, Geist, Vernunft, mind, Freiheit und Innerlichkeit zu rekurrieren? Welche erkenntnistheoretischen Vorteile bieten diese in Bezug auf den Zugang zum inneren Leben von Tieren?

  • Agency von Tieren und Vergleiche zwischen Mensch und Tier in der Sozial- und politischen Philosophie. Tiere als Metaphern für marginalisierte und unterdrückte Menschengruppen. Frauen, Sklaven und „Primitive“ als „bloße Tiere“? Und umgekehrt, ist das animalische Leben nichts anderes als ein „nacktes Leben“?

  • Animal Liberation und Postkolonialismus, postkolonialer Ökokritizismus

  • Kulturkritische und medienphilosophische Überlegungen über das Schwanken des Tierverständnisses zwischen Maschinen und ihrer anthropomorphischen Disneysierung

  • Patho- und biozentrische ethische Theorien in nicht-westlichen Kulturen und Philosophien. Lassen sich protomoralische Gefühle im Tierreich feststellen? Sterben Tiere oder verenden sie nur?

  • Interspezies Kommunikation und Freundschaft in nicht-westlichen Kulturtraditionen

  • Veganismus und Spiritualität in nicht-westlichen Kulturen

  • Sind Tiere kulturfähig und lässt sich folglich der Begriff von Interkulturalität auch auf das Verhältnis zwischen Menschen und Tieren oder auf Symbiosen mehrerer Tierarten anwenden? Sind Zoos und Aquarien künstlich eingerichtete „interkulturelle“ Biotope?

  • Von Tieren als bloßen Symbolen und Glossen in der Philosophie zur philosophischen Deutung des Umgangs mit Tieren im Alltag

  • Relevanz kultureller Besonderheiten für den Tierschutz, für die Legitimierung von Tierrechten und die Bewertung der Biodiversität

  • Der Posthumanismus als Chance oder Gefährdung für Tiere?

  • Tierzucht als Kunst? Kunst von Tieren und für Tiere.