• 39 Urbanität
  • 37 Theorie der Achsenzeit?
  • 37 Philosophieren mit Kindern
  • 36 Interkulturelle Kompetenz
  • 35 Berührungen: Zum Verhältnis von Philsoophie und Kunst
  • 34 Versöhnung und/oder Gerechtigkeit
  • 33 Zur (Ir-)Relevanz von Philosophie in interkultureller Orientierung
  • 32 Andalusien
  • 31 Heidegger interkulturell?
  • 30 Migration
  • 29 Natur
  • 28 Der arabische Frühling
  • 27 Auf der Suche nach Methoden interkulturellen Philosophierens
  • 26 Selbstkultivierung. Politik und Kritik 
im zeitgenössischen Konfuzianismus
  • 25 Das Projekt interkulturelles Philosophieren
  • 24 Übersetzen
  • 23 Geld
  • 22 Sinneskulturen
  • 21 Toleranz
  • 20 Universalismus
  • 19 Subjektivität
  • 18 Weltzivilgesellschaft
  • 17 Der arabische Frühling
  • 16 Gerechter Krieg?
  • 15 Formen des Philosophierens
  • 14 Menschenrechte
zwischen Wirtschaft, Recht und Ethik
  • 13 Biotechnologie
  • 12 Das zweite Europa
  • 10-11 Philosophie im 20. jahrhundert
  • 9 Ästhetik
  • 8 Hybridität
  • 7 Neue Ontologien
  • 6 Gerechtigkeit
  • 5 Erkenntnisquellen
  • 4 Frau und Kultur
  • 3 Andere Geschichten der Philosophie
  • 2 Kwasi Wiredus Konsensethik
  • 1 Vier Ansätze interkulturellen Philosophierens

Call for Papers

„Heilung und Medizin interkulturell“

Heft Nr. 42 von polylog – Zeitschrift für interkulturelles Philosophieren, Winter 2019

Nur auf den ersten Blick scheinen Medizin und Philosophie miteinander wenig gemeinsam zu haben. Doch setzt Medizin – oder weiter gefasst die Absicht zu heilen – ontologische, metaphysische und anthropologische Hypothesen über die Ursachen von Krankheit, die Arten der Diagnosenstellung und die möglichen Therapieverfahren voraus. Dafür muss es Beschreibungen geben, die es erlauben, Veränderungen am Menschen und an dessen Beziehung zu Welt (Um- und Mitwelt) vorzugeben und dafür auch Gründe anzugeben. Denk- und Wissenssysteme spielen hier also eine entscheidende Rolle.
Medizin wird weithin als ein Paradebeispiel für global voneinander verschiedene Wissenssysteme angeführt. Allerdings werden dabei meist so genannte ‚traditionelle‘ – ‚westliche‘ und ‚nicht-westliche‘ – Medizinsysteme dem modernen und naturwissenschaftlich basierten ‚westlichen‘ Medizinsystem gegenübergestellt, wobei letzteres i.d.R. auf- und die ersteren abgewertet werden; argumentiert wird dabei einzig unter Bezugnahme auf die je unterschiedlichen epistemologischen Grundannahmen, was jedoch die Degradierung in keiner Weise rechtfertigt. In allen weltweit anzutreffenden Medizinsystemen – seien es Medizinsysteme aus China, Indien, Tibet etc., schamanisch-heilerische Medizinsysteme aus Afrika, Lateinamerika etc., die moderne abendländische Schulmedizin oder die diversen ‚alternativen‘ Heilsysteme – basieren die jeweiligen Hintergrundannahmen auf unterschiedlichen Menschen- und Weltbildern, was zu unterschiedlichen Formen des Umgangs mit Krankheiten bzw. mit kranken Menschen führt. In einer grundsätzlich ablehnenden Haltung seitens Vertreter/innen der naturwissenschaftlichen „Bio-“ bzw. „Schulmedizin“ zeigt sich tendenziell ein hegemoniales Dominanzgebaren, das oft genug nicht mehr den Menschen und dessen Heilung in den Mittelpunkt zu stellen scheint, sondern vielmehr ökonomische Faktoren.
Für die medizinische Praxis hat dies weit reichende Folgen: Die naturwissenschaftlich fundierte Humanmedizin dominiert in weiten Teilen der Welt, vor allem in urbanen und industrialisierten Regionen, wobei der Zugang zu dieser modernen Medizin unter anderem aus sozialen und ökonomischen, aber auch aus verkehrstechnischen Gründen oft schwierig oder unmöglich ist. In den meisten Gegenden der Welt bestehen zudem mehrere Medizinsysteme – das moderne, die älteren und die alternativen – nebeneinander. Auch wenn die Erkenntnisse und Heilungsverfahren der modernen Medizin sichtbar erfolgreich sind, haben auch ältere und alternative Medizinsysteme nachweisliche Erfolge vorzuweisen, worüber allerdings nur unzureichend positiv kommuniziert wird. Dennoch haben beispielsweise in Europa und den USA ältere und alternative Medizinsysteme als Komplementärmedizin eine Nische gefunden oder werden in der Medizinethnologie unter soziologisch- ethnologischer Perspektive betrachtet.
In diese Ausgaben von polylog sollen die unterschiedlichen medizinischen Denk- und Wissenssysteme miteinander ins Gespräch gebracht werden. Gesucht sind interkulturelle philosophische Aufsätze zu folgenden Aspekten bzw. Fragestellungen, aber auch darüber hinaus:

  • Reflexionen von Hintergrundannahmen älterer Medizinsysteme wie die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), Ayurveda, Unani-Medizin, tibetische Medizin, schamanische Medizin aus Afrika oder Lateinamerika etc.
  • Methodologische Überlegungen, wie die Hintergrundannahmen von älterer, naturwissenschaftlicher und alternativer Medizin miteinander ins Gespräch – in einen Polylog – gebracht werden können
  • Wie werden Gesundheit und Krankheit (Normalität und Abweichung) in den verschiedenen Medizinsystemen definiert und begründet?
  • Zeigen sich in den verschiedenen Medizinsystemen Genderdifferenzen in Bezug auf Diagnosen, Symptomatik, Behandlung? Und wenn ja, wie sind diese mit der jeweiligen Kultur verbunden?
  • Wie wirken sich in interkulturellen Kontexten (Migration etc.) kulturell unterschiedliche Zugänge zu Körperbildern und Krankheitsverständnis aus?
  • Etc.