Die acht Beiträge dieses interdisziplinär ausgerichteten Bandes setzen sich vor allem mit technischen Entwicklungen und interreligiösen Herausforderungen als konkreten Folgen der – mittlerweile schon fast zum Allerweltsbegriff gewordenen – »Globalisierung« auseinander.

Zwei dieser Beiträge sind aus der Sicht interkultureller Philosophie besonders interessant: Willi Jäger, Professor für Angewandte Mathematik in Heidelberg, stellt seinen Überlegungen die These voran, dass die Informations- und Kommunikationstechnologien zu einer »kulturellen Globalisierung« beitragen, »kulturelle Diversität (Tradition, Regionalität, kulturelle Identität)« zwar grundsätzlich erhalten, allerdings »neue kulturelle Grenzen durch digitale Spaltung der Gesellschaft« (S. 66) entstehen lassen. Letzteres wird durch einen Blick auf den afrikanischen Kontinent deutlich: »Für die etwa 6,5 Millionen Einwohner Ruandas gibt es weniger Telefon- und Modemanschlüsse als für die Mitarbeiter der Weltbank« (S. 92). Die Frage: »Profitieren von der Wissens- und Informationsgesellschaft also nur ohnehin bereits dominante Kulturen?« (S. 93) beantwortet Jäger mit dem Hinweis auf das Ungenügen einer rein technisch-digitalen Globalisierung: »Sicherlich ist das Wissen über die anderen Kulturen enorm gestiegen. Informationen in Form von Daten sind notwendig, aber nicht hinreichend für Verstehen. Gefragt sind die Mittler zwischen den Kulturen, die einordnen, verbinden, erklären. Die Medien können solchen Mittlern helfen, ihr Publikum zu erreichen« (S. 95). Auf den eigentlichen »Angriffspunkt« dieses Sammelbandes, die These vom »Kampf der Kulturen« (Samuel Huntington), richtet Gerhard Schurz, Professor für Theoretische Philosophie in Düsseldorf, seine Überlegungen aus. Er beginnt mit der Feststellung, dass die immer wieder beobachtbare »brutale Kollision von inkompatiblen Werten« (S. 131) dem Huntingtonschen Begriff des »clash« durchaus eine gewisse Berechtigung zukommen lässt. In der Auseinandersetzung »zwischen (modernem) humanistischem Universalismus versus (postmodernem) kulturellem Pluralismus bzw. Relativismus« (S. 132), vor allem, was die Geltung der Menschenrechte betrifft, vertritt Schurz klar die erste Position und macht auf die Inkohärenz eines »Kulturpluralismus« aufmerksam, der darauf hinausläuft, »Kulturen zu tolerieren, die selbst Intoleranz gegenüber Kulturen lehren« (S. 136). Gegen Huntington allerdings spricht – trotz einer nicht zu bestreitenden Plausibilität seiner »clash«-Theorie in Bezug auf die kulturellen »Oberflächen« – die letztlich unzutreffende Tiefenanalyse globaler kultureller Konflikte, die sich in einem homogenisierenden und historisch invariablen Verständnis von »Kultur(en)« äußert. Kulturen, so Schurz, seien als »Entwicklungsstadien von generellen Entwicklungstrends der Menschheit« zu verstehen, was er mit folgender »Antithese zu Huntington« unterstreicht: »Die westlich-christliche Kultur Europas in der vordemokratischen Zeit, also von 800-1900, steht den modernen nichtwestlichen Kulturen viel näher als der modernen westlichen Kultur« (S. 157).

Wie diese Beispiele zeigen, enthält dieser Sammelband aufschlussreiche Ansätze, die manche gewohnten und eingespielten Erklärungsmuster »gegen den Strich bürsten« – was schließlich ja eine Grundaufgabe interkulturellen Philosophierens darstellt.

Franz Gmainer-Pranzl