»Ein wenig scheint interkulturelle Kompetenz eine Angelegenheit der political correctness zu sein: man akzeptiert das Grundkonzept, tritt gegebenenfalls auch öffentlich dafür ein – und zieht sich im entscheidenden Moment der interkulturellen Handlungserfordernis zurück« (S. 5). Mit dieser treffenden Bemerkung eröffnet Verf., Professor für interkulturelle Wirtschaftskommunikation an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, die vorliegende Einführung. In ihr (übrigens einer vollständigen Neubearbeitung der ersten Auflage von 2001) wird nicht nur über »Interkulturalität« geredet, sondern anhand konkreter Probleme gezeigt, worin »interkulturelle Kompetenz« besteht. Die Antwort mag manche überraschen: Interkulturelle Kompetenz meint nicht eine eigene Fähigkeit, einen klar abgrenzbaren Tätigkeitsbereich, sondern »das erfolgreiche ganzheitliche Zusammenspiel von individuellem, sozialem, fachlichem und strategischem Handeln in interkulturellen Kontexten« (S. 87); sie ist sozusagen »eine Querschnittsaufgabe, deren Gelingen das Zusammenspiel verschiedener Schlüsselqualifikationen voraussetzt« (S. 112).

Diese These erhärtet sich, blickt man auf die Überlegungen der fünf Abschnitte dieser Einführung: Zuerst setzt sich Verf. mit den Begriffen »Kultur«, »Kommunikation« und »Interkulturalität« auseinander und trifft die wichtige Unterscheidung zwischen »perceptas« (das »Was einer Kultur) « und »konceptas« (das »Warum bestimmter Eigenarten und Funktionszusammenhänge einer Kultur« [S. 21]). Der zweite Teil geht auf die Dynamik und Eigenart menschlicher Wahrnehmungen ein, die oft von Erwartungshaltungen, Ordnungsvorstellungen und auch Stereotypen geprägt sind. Der dritte Teil thematisiert den Umgang mit dem »Fremden« und bringt eine Reihe aufschlussreicher Beispiele aus der Alltagserfahrung. Politisch interessant ist der vierte Teil, der drei Varianten von Multikulturalität vorstellt und diskutiert; sie können »als Stufenfolge von ›Ignoranz‹, ›Toleranz‹ und ›Akzeptanz‹ beschrieben werden« (S. 64) und führen von einem bloßen Nebeneinander verschiedener Gruppen zu einem Miteinander. Fünftens schließlich kommt die Aufgabe »interkulturellen Lernens« zur Sprache – eine Herausforderung, die durchaus auch auf spielerische Weise bewältigt werden kann (wofür Verf. eine Reihe von Beispielen, vorwiegend aus dem Bereich der Wirtschaftspädagogik, bringt). »Interkulturelle Kompetenz« erweist sich somit als Steuerungs- und Mediationsaufgabe, zu der Verf. einen hilfreichen und aktuellen Zugang eröffnet.

Franz Gmainer-Pranzl