Achtzehn Autorinnen und Autoren haben in diesem praktisch orientierten Band Beiträge zu – wenn man so sagen kann – »Standardproblemen in der interkulturellen Kommunikation« verfasst. Die geschilderten Problemsituationen orientieren sich zumeist an wirtschaftlichen Aufgabenstellungen, wie sie sich in Unternehmen ergeben, die in verschiedenen Kontinenten tätig sind. Die kulturell bedingten Missverständnisse, kommunikativen Irritationen und emotionalen Verstörungen werden in Fallbeispielen geschildert (die viele der AutorInnen selbst erlebt haben) und in Schemata aufgeschlüsselt, die aus der bekannten Kommunikationsanalyse Schulz von Thuns stammen. Neben der Schilderung konkreter »Aha-Erlebnisse« kommen immer wieder auch grundsätzliche Überlegungen zur Sprache, so etwa das Verständnis von »Kultur« als »identitätsstiftendes Orientierungssystem« (S. 32f.), die Aufmerksamkeit für die »Kommunikation hinter der expliziten Kommunikation« (S. 48), der Blick auf »interkulturelle Stereotypen-Kreisläufe« (S. 63), das – oft schmerzlich erfahrene – Spannungsfeld zwischen »Entwurzelung« und »Weltoffenheit« (S. 167), die im Kontext von Migration oft anzutreffende »Arroganz der Mehrheitskultur« bei gleichzeitiger »Überempfindlichkeit der Minderheitskultur« (S. 218) oder die Wahrnehmung der weitgehend von europäisch-nordamerikanischen Standards geprägten Modelle interkultureller Mediation (vgl. S. 264).

Die Stärke dieses Buches besteht in seiner Praxisnähe und empirisch nachvollziehbaren Darstellung, die auch für interkulturelles Philosophieren relevant ist. Fraglich erscheinen allerdings die klaren Typisierungen von »Kulturen«, deren interne Differenzen oder Entwicklungen zumeist ausgeblendet werden. Wenn es zum Beispiel heißt: »In Japan kommt in vielen Situationen eine ausgeprägte Beziehungsorientierung zur Geltung […]« (S. 46); »In der konfuzianischen Welt hat alles seine Ordnung und jeder seinen Platz […]« (S. 110); oder: »Die Chinesen zeigen weltweit ihre Anpassungsfähigkeit und Solidarität. Sie sind bereit, jeder vorhandenen Ordnung und Bürokratie zu folgen« (S. 201), dann produziert die vorliegende Darstellung selbst Stereotypen, die sie eigentlich vermeiden will und auch explizit kritisiert, etwa in der Ablehnung einer »Kulturifizierung« (S. 331) anderer und im abschließenden, sehr zu begrüßenden Rat, »Vorsicht im Umgang mit dem Konstrukt ›Kultur‹« (S. 346) walten zu lassen. – Wer auf diese »Identitätsfallen« acht gibt, wird das Buch mit Gewinn lesen.

Franz Gmainer-Pranzl