Interkulturelle Ethnologie beschäftigt sich mit dem Vergleich von Kulturen, um dann in einem zweiten Schritt herauszuarbeiten, was als menschliche Universalien angesehen werden können. Sie positioniert sich als Gegenmodell zur postmodernen Subjektkritik, denn hier wird davon ausgegangen, dass es so etwas wie eine menschliche Grundkondition gibt. Dabei stellt sich die Frage der Vergleichsgrößen: Was soll verglichen werden? Wie definiert man eine Größe wie Kultur? »Erstens sehe ich die Ethnologie nur nachgeordnet als Studium von ›Kulturen‹, ›Ethnien‹ oder shared values and ideas […]. Ethnologie sollte weniger auf Gesellschaften (›Kulturen‹) als solche fokussiert sein, sondern auf spezifische Wege, das gleiche zu tun, bzw. auf unterschiedliche Arten, die gleichen Probleme zu lösen« (S. 38).

In den ersten Kapiteln wird ein guter Überblick über die derzeitigen Fachpositionen in der Ethnologie dargestellt und eine Verortung der eigenen Stellung vorgenommen. Doch obwohl der Autor die Problematik von Universalienforschung sehr differenziert darstellt, wird er eine traditionelle Einteilung wie »industrialisierte vs. nicht-industrialisierte« oder »moderne vs. traditionelle« Gesellschaften nicht los. Auch vom eurozentrischen Geschichtsbild, das den »traditionellen« Gesellschaften erst ab der Kolonialisierung oder dem Kontakt mit »großen Zivilisationen« (S. 88) einen Eintritt in die Geschichtlichkeit zubilligt, nimmt er nicht Abstand. Diese Schwäche zeigt sich dann im Fallbeispiel, bei dessen Lektüre man den Eindruck hat, dass hier genau mit jenen vorher kritisierten Modellen der »Homogenität und Abgeschlossenheit von Kulturen« operiert wird.

In Bezug auf die Universalienforschung stellt sich der Autor gegen ein deduktives Vorgehen oder eine vorschnelle Verallgemeinerung. Universalien, die nicht banal sind, müssen durch induktive Methode sehr behutsam festgestellt werden. Der interkulturelle Vergleich dient hier auch dazu, um festzustellen, ob vermeintliche Universalien auch tatsächlich allgemeingültig sind. Der Nutzen, den die Universalienforschung bringt, ist unter anderem die politische Relevanz: in der Frage nach Menschenrechten, politischer und medizinischer Ethik kann sie einen Beitrag leisten. Der Autor positioniert sich dabei zwischen Naturalismus und Kulturalismus, er möchte seine Argumente aus der Erforschung der »menschlichen Natur« ableiten.

Julia Sonnleitner