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polylog 27

Sommer 2012

Auf der Suche nach Methoden interkulturellen Philosophierens

Bianca Boteva-Richter, Franz Gmainer-Pranzl

Einleitung

Eike Bohlken

Interkulturelle Philosophie nach transzendentaler Methode

Grundzüge eines hypothetischen Universalismus

Eike Bohlken stellt entsprechend der Methodik transzendentaler Philosophie die Rückfrage nach den Bedingungen von »Interkulturalität«, die er als allen Menschen zuzusprechenden Hintergrund von einer anthropologischen, semantischen und handlungsbezogenen Dimension her begreift. Der entsprechende Ansatz, der auch Fragen interkultureller Ethik mit einbezieht, versteht sich als »hypothetischer Universalismus«, der sich auf die strukturellen Voraussetzungen interkulturellen Verstehens bezieht, ohne inhaltliche Vorgaben zu machen.

Josef Estermann

Diatopische Hermeneutik am Beispiel der Andinen Philosophie

Ansätze zur Methodologie interkulturellen Philosophierens

Josef Estermann differenziert sorgfältig zwischen unterschiedlichen Positionen interkulturellen Philosophierens und vertritt im Licht andiner Traditionen einen Ansatz »diatopischer Hermeneutik«, deren methodologischer Ausgangspunkt in der Beanspruchung durch einen »anderen Logos« besteht, der die Dominanz der eigenen Philosophie erschüttert. Das »Inter« als unaufhebbaren, offenen Prozess des Austausches und des Dialoges/Polyloges zu begreifen, ist zentraler Bestandteil dieser interkulturellen »Methode«.

Cecilia Pires

Interkulturelle Philosophie im Kontext einer Ethik der Solidarität

Sozialphilosophische Herausforderungen

Cecilia Pires—Professorin für Politische Philosophie an der Universidade do Vale do Rio dos Sinos in São Leopoldo (Brasilien)—orientiert sich in ihrem sozialphilosophischen Beitrag an der interkulturellen Hermeneutik Raúl Fornet-Betancourts und fügt sich in die Debatte darüber ein, Philosophie außerhalb der herrschenden kulturellen Zentren und jenseits der innerhalb der Marktzentren anerkannten Sprachen zu betreiben. In diesem Sinne entwickelt Pires Aspekte eines interkulturell relevanten Diskurses rund um eine »Ethik der Solidarität«.

Graham Parkes

Ehrfurcht gegenüber den Dingen dieser Welt

Körperliche Übung in ostasiatischen Philosophien

Graham Parkes untersucht in seinem Beitrag Vertreter traditioneller ostasiatischer Philosophie und hebt in besonderer Weise den Aspekt der Leiblichkeit – als gelebte philosophische Praxis der Selbst-Kultivierung hervor: Diese Aktivität als Weg zur Veredelung des Selbst gilt als Voraussetzung zur Entstehung der Beziehungen zu anderen Menschen und zur Umwelt. Sie sichert somit als einziger Weg die Bewahrung der Welt. Momente wie etwa die Praxis der »Selbst-Kultivierung« oder das Hören mit einem »dritten Ohr«, aber auch die Integration des eigenen Handelns und Denkens in den »Rhythmus des Kosmos« fordern europäische Formen des Philosophierens dazu heraus, Grenzen und Aporien ihrer eigenen Methodik wahrzunehmen.

Hsueh-I Chen

Wer philosophiert wie interkulturell?

Hsueh-i Chen verlegt die Gewichtung der philosophischen Frage auf die interkulturell Philosophierenden und versucht die Akteure des interkulturellen Denkens zu charakterisieren. Diese subjektive Fokussierung ist nicht nur ostasiatischen Ursprungs; sie versucht beispielsweise in der Postkolonialisierungsdebatte einen Lösungsansatz für die durch die Kolonialisierungsgeschichte ausgelöste Identitätsproblematik zu finden. Zudem führt der Autor den interessanten Gedanken eines »inneren Polylogs« ein, den er mit der Hypothese einer »Arbeitsidentität« verbindet und als entscheidende Voraussetzung interkulturellen Philosophierens herausstellt.

FORUM

Murat Ateş

Umwege auf dem Weg zu einem weltweiten Denken. Cemil Meriçs Versuch im geschichtlichen Diskurs zwischen Ost und West

Jay L. Garfield

Buddhistische Ethik

REZENSIONEN UND BUCHTIPPS