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polylog 1

1998/2014

Nausikaa Schirilla

Vorwort zur zweiten Auflage 2014

Michael Shorny

Einleitung

vier ansätze interkulturellen philosophierens

(Neuauflage 2014)

Franz M. Wimmer

Thesen, Bedingungen und Aufgaben einer interkulturell orientierten Philosophie 

Bis jetzt hat das Projekt der interkulturellen Philosophie, oder besser gesagt: eines interkulturell-orientierten Philosophierens, mehr Fragen aufgeworfen als es Antworten gefunden hat. In seinem Artikel betont Franz M. Wimmer ganz klar, dass nichts Vernünftiges zu diesem Thema gesagt werden kann, solange nicht drei Konzepte klar definiert worden sind: Inhalt und Methode der Philosophie, Kultur und Kulturen, sowie alle relevanten Beziehungen die mit ‘inter-’ bezeichnet werden sollen. Letzteres ist in der vorliegenden Skizze in drei Diskussionsfelder aufgeteilt, a) in der Diskussion über interkulturelle Philosophie werden vier hervorstechende Ansprüche skizziert, zusammen mit ihren jeweiligen negativen Gegenforderungen, b) um diese Ansprüche hinreichend begründen zu können, müssen fünf Bedingungen erfüllt werden, c) nur dann können Aufgaben produktiv behandelt werden.

Up to now, the project of intercultural philosophy, or rather: of an interculturally oriented philosophising, has posed more questions than it has given answers. It has to be emphasized that nothing sensible can be said on this topic until three concepts have been clearly defined:
1.philosophy, according to content and method,
2.culture and cultures,
3. those relevant relations that shall be designated as inter.
In this current sketch this third point is split up into three areas of discussion, a) four prominent claims are sketched out from the discussions on intercultural philosophy – together with their respective four negative counter-claims; b) for the foundation of those claims five conditions have to be met; c) only then, tasks can be productively approached.

Raimon Panikkar

Religion, Philosophie und Kultur

Religion, Philosophie und Kultur sind drei “Elemente” der menschlichen Wirklichkeit. Wenn man ersteres mit den Füßen vergleichen könnte, mit welchen der Mensch seinem Schicksal entgegen reist, würde Philosophie die Augen darstellen, welche diese Reise hinterfragen, und Kultur wäre die Erde, auf welcher der Mensch während seiner konkreten Wallfahrt schreitet. Interkulturalität stellt die Bedingtheit (nicht den Relativismus) alles Menschlichen und daher dieser drei Begriffe dar.
Die Frage nach dem Wesen der Philosophie ist bereits eine philosophische Frage, und eng mit dem verbunden, was Religion bedeutet. Ein interkultureller Ansatz zeigt, dass man Philosophie von Religion nicht trennen kann, und beide sind abhängig von der Kultur, die sie nährt. Um diesem Problem gerecht zu werden, müssen wir die Funktion des ‘Mythos’ einführen, welche den ‘Logos’ ergänzt.

Religion, philosophy and culture are three "elements" of the human reality. If the first could be compared to the feet with which Man journeys towards his destiny, philosophy could represent the eyes that scrutinize that journey, and culture, the earth on which Man is walking during his concrete pilgrimage. Interculturality represents the relativity (not the relativism) of everything human, and therefore of these three notions.
The question of the nature of philosophy is already a philosophical question, and intimately connected with what Religion stands for. An intercultural approach shows that one cannot separate Philosophy from Religion, and that both are dependent on the culture which nurtures them. In order to do justice to the problem, we need to introduce the function of mythos, which complements that of logos.  

Raúl Fornet-Betancourt

Philosophische Voraussetzungen des interkulturellen Dialogs

Raúl Fornet-Betancourts Artikel hat drei Hauptziele. Zum einen zeigt dieser Beitrag aus lateinamerikanischer Sicht, dass die westliche Zivilisation mehrdeutig ist, da sie zur gleichen Zeit neue Barbarei in unserer Welt erzeugt. Zweitens präsentiert Fornet-Betancourt den interkulturellen Dialog einerseits als Perspektive welche die Globalisierung der westlichen Zivilisation kritisiert, sowie auch als eine Alternative welche helfen kann, die Beziehungen zwischen den Kulturen neu zu ordnen. Drittens macht die Abhandlung auf einige philosophische Voraussetzungen des interkulturellen Dialogs aufmerksam: der Zustand des Menschen als “singuläres Universal”, kritische Reflexion, Freiheit, um nur einige zu nennen.

Raúl Fornet-Betancourt’s paper has three main purposes. Firstly, the paper shows from a Latin-American point of view that the Western civilization is ambiguous because at the same time it is generating a new barbarity in our world. Secondly, Fornet-Betancourt presents the intercultural dialogue as a perspective to criticize the globalization of the Western civilization and as an alternative that helps to reorganize the relationship between cultures. Thirdly, the paper intends to point out some philosophical presuppositions of intercultural dialogue: the condition of human being as a "singular universal", critical reflection, freedom, to name but a few.

Ram Adhar Mall

Das Konzept einer interkulturellen Philosophie

In seinem Beitrag plädiert Ram Adhar Mall für die Anerkennung von pluralen Traditionen in der Philosophie, welche Spezifikationen der philosophia perennis darstellen. Es ist die Aufgabe der interkulturellen Philosophie, zwischen diesen beiden Enden zu vermitteln, d. h. zwischen den spezifischen Philosophien, wie sie in den verschiedenen Kulturen zu finden sind, und der universellen Philosophie, die nicht kulturell gebunden ist. Methodisch basiert die interkulturelle Philosophie daher auf Vergleichsstudien, insbesondere auf den Vergleich von Kulturen und ihren philosophischen Traditionen. Aber genauso wie die eine universelle Philosophie nirgends in reiner Form vorhanden ist, gibt es eine innere Pluralität innerhalb jeder Kulturspezifischen Philosophien. Die gleichen Fragen und Probleme der Übersetzung, welche interkulturell aufgeworfen werden, treten auch intrakulturell auf, jedoch auf einer anderen Ebene der Differenzierung.
Basierend auf diesen Überlegungen betont Mall, dass es, sofern Philosophie interkulturell werden soll, eine Notwendigkeit dafür gibt, die mentale Einstellungen zu ändern; konzeptionelles Denken zu öffnen; philosophischen Traditionen, die bis heute noch nicht als solche erkannt worden sind, zu emanzipieren; die Geschichte der Philosophie neu zu schreiben; und Einheit ohne Einheitlichkeit zu verfolgen.

In his paper Mall argues for the recognition of plural traditions in philosophy, since these are specifications of the one philosophia perennis. It is the task of intercultural philosophy to mediate between these two ends, i.e. the specific philosophies as they are found in different cultures and the universal philosophy which is not culturally bound itself. Methodically intercultural philosophy therefore is based on comparative studies, and in particular on the comparison of cultures and their philosophical traditions. But just as the one universal philosophy nowhere exists in a pure form, there is an inner plurality within each of the specific culture-bound philosophies. The same questions and translational problems that are raised interculturally also occur intracultural, although at another level of differentiation.
Based on these considerations Mall claims that, for philosophy to become intercultural, there is a need to change mental attitudes, to open conceptual thinking, to emancipate philosophical traditions which up to this day have not been recognized as such, to rewrite the history of philosophy and to pursue unity without uniformity.

 

IM GESPRÄCH

Veena Das im Gespräch mit Ursula Baatz.

FORUM

Niels Weidtmann

Kann Schriftlichkeit fehlen?

Afrikanische Weisheitslehren im interkulturellen Dialog 

Ursula Baatz

Im Sitzen Kultur verkörpern. 

LITERATURBERICHT

Kai Kresse

Dichtes Verhältnis im besten Wissen: Anthropology of Knowledge und interkulturelle Philosophie. Ein Literaturbericht.  S. 89-94.

REZENSIONEN

Ursula Baatz

Über das Hüten von Haikühen. Zu Günter Wohlfarts "Zen und Haiku".  S. 95. 

Nausikaa Schirilla

Die Arbeit des Kulturbegriffs. Zu Uma Narayans "Dislocating Cultures".  S. 96-97.

Oliver Kühschelm und Günther Mahr

Interkulturalität als Lernprozeß für Philosophierende. Zu R. Fornet-Betancourts "Lateinamerikanische Philosophie zwischen Inkulturation und Interkulturalität".  S. 98-99.

Berthold Bernreuter

Ein philosophisches Potpourri der Interkulturalität. Zu F. Wimmers "Vorlesungen zu Theorie und Methode der Philosophie im Vergleich der Kulturen".  S. 100-01.

Peter Penner

Bausteine für eine universalistische Moral? Zu H. Schelkshorns "Diskurs und Befreiung".  S. 102-03.

Niels Weidtmann

Henry Odera Oruka - ein philosophischer Weiser. Zu A. Graness und Kai Kresses "Sagacious Reasoning".  S. 104-05.

BUCHTIPPS S. 106-108

Gesamtliste besprochener Literatur

BERICHTE & EREIGNISSE

TAGUNGEN:

Franz M. Wimmer:

Indien verstehen? Eine Konferenz. Mumbai 1998

Bertold Bernreuter & Antonia Kastendiek:

Liebe zur Weisheit und Weisheit der Liebe. II. Internationaler Kongreß für interkulturelle Philosophie, Sâo Leopoldo 1997

 

PROJEKTE

Hans-Jörg Sandkühler:

Philosophie im Vergleich der Kulturen. Ein Fachgebiet des Studiengangs Philosophie an der Universität Bremen

Bertold Bernreuter:

Interkulturelle Kommunikation. LMU München

 

INSTITUTIONEN

Notker Schneider:

Gesellschaft für interkulturelle Philosophie G I P

Michael Shorny:

Wiener Gesellschaft für interkulturelle Philosophie WiGiP