• 39 Urbanität
  • 37 Theorie der Achsenzeit?
  • 37 Philosophieren mit Kindern
  • 36 Interkulturelle Kompetenz
  • 35 Berührungen: Zum Verhältnis von Philsoophie und Kunst
  • 34 Versöhnung und/oder Gerechtigkeit
  • 33 Zur (Ir-)Relevanz von Philosophie in interkultureller Orientierung
  • 32 Andalusien
  • 31 Heidegger interkulturell?
  • 30 Migration
  • 29 Natur
  • 28 Der arabische Frühling
  • 27 Auf der Suche nach Methoden interkulturellen Philosophierens
  • 26 Selbstkultivierung. Politik und Kritik 
im zeitgenössischen Konfuzianismus
  • 25 Das Projekt interkulturelles Philosophieren
  • 24 Übersetzen
  • 23 Geld
  • 22 Sinneskulturen
  • 21 Toleranz
  • 20 Universalismus
  • 19 Subjektivität
  • 18 Weltzivilgesellschaft
  • 17 Der arabische Frühling
  • 16 Gerechter Krieg?
  • 15 Formen des Philosophierens
  • 14 Menschenrechte
zwischen Wirtschaft, Recht und Ethik
  • 13 Biotechnologie
  • 12 Das zweite Europa
  • 10-11 Philosophie im 20. jahrhundert
  • 9 Ästhetik
  • 8 Hybridität
  • 7 Neue Ontologien
  • 6 Gerechtigkeit
  • 5 Erkenntnisquellen
  • 4 Frau und Kultur
  • 3 Andere Geschichten der Philosophie
  • 2 Kwasi Wiredus Konsensethik
  • 1 Vier Ansätze interkulturellen Philosophierens

polylog 31

Sommer 2014

Heidegger interkulturell?

Anke Graneß & Martin Ross

Einleitung

Choong-Su HAN (한충수, 韓忠洙)

Heideggers Denken und sein Ort

Orte des Denkens« bzw. »Ort des Denkens«

Der Beitrag von Choong-Su Han beginnt mit einer Reflexion des Bedeutungsunterschiedes von »Ort« und »Orte«; dieser sei in der koreanischen Sprachtradition nicht vorhanden. Ins Koreanische übersetzt würde die Einzahl wie die Mehrzahl sein. Und auch der Bedeutung des Präfix »inter-« widmet Han eine kurze etymologische Reflexion, um dann beim Zwischenergebnis zu landen, dass interkulturelle Philosophie dadurch entstehe, dass eine philosophische Kultur andere philosophische Kulturen in ihr eigenes Denken miteinbeziehe; wodurch eine interkulturelle philosophische Perspektive zustandekäme. Dies führt er am Beispiel von Martin Heideggers Auseinandersetzung mit dem Spruch XI des Daodejing vor. Wenn Dao der Weg ist – was auch Heidegger wichtig ist zu betonen –, dann gilt es, die Kluft des »inter« zu überbrücken, um einen Ort zu finden. Insoferne dieser Weg bei Heidegger als Geschehen begriffen wird, existieren für Han Gemeinsamkeiten mit der aus dem Daoismus stammenden koreanischen Kultur. Er beschreibt die Relevanz und Inspiration, die er von Heideggers Texten bekommt, mit der speziellen Atmosphäre, die von ihnen ausgeht. Dabei reflektiert Han einige Überlegungen Heideggers zum Phänomen des »Dings« und konstatiert eine gewisse Nostalgie, die von Dingen ausgeht, eine Nostalgie, die er aus der koreanischen Kultur kennt. Das eröffnet einen Reflexionsraum, der Anstoß gibt, darüber nachzudenken, auf welche Weise die Atmosphäre und Denkfigur des Nostalgischen auch in anderen Kulturen präsent ist.

Takashi Ikeda

Das Zuhause als übersehener Ort des Denkens:

Eine feministisch-phänomenologische Perspektive

Takashi Ikeda skizziert ausgehend von der im Feminismus wichtigen Unterscheidung zwischen »öffentlich« und »privat« den Ort des »Zuhause«. Ausgehend von Heideggers Aufsatz »Bauen Wohnen Denken« versucht Ikeda, das Zuhause positiv zu fassen, indem er den Wohnort als eigentlichen Ort des Handelns und Denkens ansieht. So entwickelt er die Idee des Zuhauseseins als Bedingung für die Bildung menschlicher Identität und für den Entwurf des eigenen Selbst. Insofern sei es keine bloße private Angelegenheit, ob sich ein Mensch an einem Ort befinde, an welchem er oder sie zu Hause sein kann. Ikeda kehrt das Verständnis von »Zuhause« um: Losgelöst von der kapitalistischen Ideologie werden Wohnen, Zuhause, ja auch Heimat als menschliche Tätigkeit begriffen, in der sich das autonome Subjekt verwirklicht. Er knüpft dabei an Überlegungen von Iris Marion Young an, die versucht, Heideggers »Bauen Wohnen Denken« weiterzuentwickeln: Das Zuhause als Ort der Dinge, die zu meinem Leben gehören und ein Stück weit meine Bedürfnisse ausdrücken. Meine Identität materialisiert sich auf gewisse Weise, wie Ikeda schreibt. Dies führt dann dazu, dass man seine persönliche Geschichte erzählt: Es entsteht ein Narrativ über eine Person (oder auch eine Gruppe).

Giuseppe Menditto

Nishidas bashō im Gespräch mit dem griechischen und phänomenologischen Denken

Der Beitrag von Giuseppe Menditto reflektiert die Orts-Thematik, bezieht sich dabei aber nur indirekt auf Martin Heidegger. Allerdings zieht der Autor aus der phänomenologischen Tradition Merleau-Ponty und Derrida heran. Menditto geht von einer bei Nishida getroffenen Dreiteilung aus: Ort des Seins, Ort der relativen Nichtigkeit und das absolute Nichts. Diese setzt er in Verbindung mit dem Konzept des Fleisches (»chair«) bei Merleau-Ponty, das sozusagen den Ort des Subjekts markiert, und mit der von Derrida gelesenen platonischen »chōra«, die u.a. als »Raum« ausgelegt wird. »Bashō, chōra und chair gehören alle zu einer Räumlichkeit, die nicht als res extensa oder im Sinne Kants mit unserem Anschauungsvermögen zu verwechseln sind«, schreibt Menditto, der in der anschließenden Erklärung von Nishidas »Bashō« herausarbeitet, inwieweit er auf platonische Begriffe zurückgreift. Dies tun auch Derrida und Merleau-Ponty, wie Menditto darlegt, wobei er hervorhebt, dass die Begriffe, die beide verwenden, schwer übersetzbar sind. So zeigt sich, dass es einem Phänomen wie dem Ort inhärent zu sein scheint, dass es – einmal nicht als physikalischer Raum verstanden – eher dunkle Begriffe sind, die es angemessen beschreiben können. Eine philosophische Reflexion des Ortes, so wie sie Menditto vorführt, wird also letztlich ihre eigene Sprachlichkeit reflektieren müssen – intra- und interkulturell.

Tsutomu Ben Yagi

»Exiled in the Mother Tongue«

Gadamers Beitrag zur Frage nach Heimat und Fremde

Die Sprache befindet sich im Zentrum des Beitrags von Tsutomu Ben Yagi, und zwar auf welche Weise sie zum Phänomen des Ortes steht. Er bezieht sich dabei auf entsprechende Überlegungen Gadamers in »Wahrheit und Methode«. Ausgangspunkt bildet allerdings der berühmte Satz Martin Heideggers aus dem Humanismusbrief, dass die Sprache das Haus des Seins sei. »Wenn unser Denken über das Sein nur mit Hilfe von Sprache möglich ist, dann zeigt Sprache den Standort an, an welchem wir in Beziehung zum Sein gebracht werden«, so Yagi. Sprache zeigt Heimat an. An dieser Stelle kommt Gadamer ins Spiel, der diese rein seinsbezogene Redeweise von Sprache, die Heidegger pflegt, kritisiert und erweitert: Es gehe nicht um eine Sprache der Metaphysik, sondern um lebendige Sprache. Die lebendige Sprache als solche ist immer die jeweilige Muttersprache, weil sie nämlich nie als fremde Sprache gelernt wird. Leben ist Einkehr in die Sprache, diesem Gadamer-Wort stimmt Yagi zu, differenziert es aber weiter aus, indem er das Moment der Rückkehr ins Spiel bringt. Gadamer, der den Begriff Schellings »das Unvordenkliche« verwendet, bezieht das auf die Heimat. Wenn Heimat nun »eingeholt werden soll und doch uneinholbar ist, kehren wir zur Heimat zurück, ohne wirklich in der Lage zu sein zurückzukehren« (Yagi)

FORUM

Leonhard Praeg

Postkarten aus der Postkolonie

Heinz Kimmerle

Eine dritte Tradition afrikanischer Philosophie: afro-karibisch neben afrikanisch und afrikanisch-amerikanisch

Monika Kirloskar-Steinbach

Zwei Perspektiven indischen Philosophierens

Ein Rezensionsessay

REZENSIONEN UND BUCHTIPPS